Marktpuls-Report

Gehalt? Schweigen.

Entgelttransparenz in deutschen Stellenanzeigen

Stand: 28.07.2026

Nur

4,7 %

der Stellenanzeigen nennen ein Gehalt.

Auswertung von 123.750 Stellenanzeigen · Mai–Juli 2026

4,7 %

nennen ein konkretes Gehalt

2.225 von 47.240 Anzeigen im Juli 2026

3,0 → 4,7 %

Anstieg seit dem verstrichenen EU-Stichtag

Mai bis Juli 2026, rund die Hälfte mehr in drei Monaten

14 von 15

der größten Gehalts-Nenner sind Vermittler

kein Arbeitgeber, der erkennbar für den eigenen Betrieb einstellt

0 von 910

Anzeigen bei Lager- und Transportarbeitern

in mehreren Engpassberufen liegt die Quote nahe null

3,0 %Mai*4,1 %Juni4,7 %Juli
Anteil der Stellenanzeigen mit konkreter Gehaltsangabe * Der Mai-Wert basiert auf einem Teilmonat (Erfassung ab 16.05.).

Kernbefunde

1. Nur 4,7 % der Stellenanzeigen nennen ein konkretes Gehalt. Von 47.240 im Juli 2026 ausgewerteten Stellenanzeigen mit Volltext enthielten 2.225 eine konkrete Gehaltsangabe (Betrag oder Spanne). Über den gesamten Zeitraum Mai–Juli: 5.063 von 123.750 Anzeigen (4,1 %).

2. Der Anteil steigt — seit dem verstrichenen EU-Stichtag. Mai: 3,0 % → Juni: 4,1 % → Juli: 4,7 %. Am 7. Juni 2026 lief die Umsetzungsfrist der EU-Entgelttransparenzrichtlinie ab. Der Anstieg um rund die Hälfte innerhalb von drei Monaten fällt in genau dieses Fenster. (Hinweis: Der Mai-Wert basiert auf einem Teilmonat ab 16.05., siehe Methodik.)

3. Transparenz kommt von Vermittlern — Arbeitgeber selbst schweigen. Alle 14 privaten Absender unter den 15 größten Gehalts-Nennern treten als Personalvermittler, Zeitarbeits- oder Recruiting-Firmen auf (darunter Manpower, DIS AG, Michael Page, ARWA Personaldienstleistungen und eine spezialisierte Ärztevermittlung) — kein einziges Unternehmen, das erkennbar für den eigenen Betrieb einstellt, erreicht die Liste. Der größte Einzelabsender, ein Personaldienstleister, stellt allein rund 9 % aller Gehaltsangaben im Datensatz (464 von 5.063). Der fünfzehnte Platz gehört mit der Oberfinanzdirektion Baden-Württemberg einem öffentlichen Arbeitgeber — konsistent mit der Rechtslage: Für öffentliche Arbeitgeber wirkt die EU-Richtlinie nach der EuGH-Rechtsprechung bereits unmittelbar, für private erst mit dem deutschen Umsetzungsgesetz.

4. In den volumenstärksten Berufen liegt die Quote nahe null. Darunter mehrere anerkannte Engpassberufe: Fachärztinnen und Fachärzte 0,8 % (8 von 984 Anzeigen), Maschinen- und Anlagenführer 0,4 % (6 von 1.702), Zerspanungsmechaniker 0,6 %, Köche 1,1 %. Bei Lager- und Transportarbeitern enthielt keine einzige von 910 Anzeigen eine Gehaltsangabe.

Der rechtliche Rahmen (Stand 28.07.2026)

  • Die Richtlinie (EU) 2023/970 (Entgelttransparenzrichtlinie) trat am 06.06.2023 in Kraft. Umsetzungsfrist für die Mitgliedstaaten: 07.06.2026.
  • Deutschland hat die Frist verstrichen lassen. Ein Referentenentwurf liegt nicht vor. Die vom BMBFSFJ eingesetzte Kommission „Bürokratiearme Umsetzung" übergab ihren Abschlussbericht im November 2025; das Ministerium befindet sich nach eigener Auskunft in internen Abstimmungen, ohne Zeitplan. Mit einem verbindlichen Umsetzungsgesetz wird überwiegend erst 2027 gerechnet.
  • Bis dahin gilt das Entgelttransparenzgesetz von 2017 unverändert fort — es kennt keine Pflicht zur Gehaltsangabe in Stellenanzeigen.
  • Kernpflichten der Richtlinie, die mit der Umsetzung kommen: Arbeitgeber müssen Bewerbern die Einstiegsvergütung oder deren Spanne vor dem Vorstellungsgespräch mitteilen (Stellenanzeige oder vorab), und die Frage nach der Gehaltshistorie wird unzulässig.
  • Öffentliche Arbeitgeber können sich nicht auf die fehlende Umsetzung zurückziehen: Beschäftigte des öffentlichen Dienstes können sich unter Voraussetzungen unmittelbar auf die Richtlinie berufen.

Ausblick

Der gemessene Anstieg (3,0 % → 4,7 %) zeigt: Ein Teil des Marktes bereitet sich bereits vor — angeführt von Personaldienstleistern, für die Gehaltstransparenz ein Conversion-Werkzeug ist, und vom öffentlichen Dienst, für den die Richtlinie bereits wirkt. Die große Mehrheit der privaten Arbeitgeber wartet auf das deutsche Gesetz. Kommt die EntgTranspG-Novelle, müssen Arbeitgeber die Einstiegsvergütung künftig vor dem Vorstellungsgespräch offenlegen — in der Anzeige oder vorab auf anderem Weg. Für über 95 % der Anzeigen bedeutet das eine Umstellung der heutigen Praxis. Bis dahin gilt für Bewerberinnen und Bewerber: Die Gehaltsfrage bleibt an ihnen hängen. Wer heute wissen will, was ein Job zahlt, findet die Antwort in weniger als jeder zwanzigsten Anzeige.

Methodik

  • Datenbasis: 219.403 Stellenanzeigen (Deutschland), erfasst 16.05.–28.07.2026, davon 123.750 mit auswertbarem Volltext. Nur Letztere gehen in die Quoten ein.
  • Quellen: Der Gesamtbestand speist sich zu 84 % aus öffentlich zugänglichen Stellenanzeigen der Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit, ergänzt um Adzuna, Arbeitnow und weitere Jobportale. Sämtliche 123.750 ausgewerteten Volltexte stammen aus der BA-Jobbörse — der gemessene Trend ist damit quellenrein und kann nicht durch eine Verschiebung im Portal-Mix entstanden sein. Publiziert werden ausschließlich aggregierte Kennzahlen, keine Anzeigeninhalte.
  • Erkennung von Gehaltsangaben: Automatisierte Textmusteranalyse (Gehaltsspannen, Beträge in Verbindung mit „Gehalt/Vergütung/brutto/monatlich/jährlich"), mit Ausschlussmustern für Boni, Prämien und Zuschüsse. Validierung per Zufallsstichproben: In der finalen Konfiguration waren 15 von 15 geprüften Treffern echte Gehaltsangaben.
  • Absender-Klassifikation: Die Einordnung der Top-15-Absender als Personalvermittler/-dienstleister wurde je Unternehmen anhand von Handelsregister-Gegenstand bzw. öffentlichem Unternehmensauftritt verifiziert.
  • Einschränkungen: Der Mai-Wert basiert auf einem Teilmonat (Erfassung ab 16.05.). Anzeigen ohne Volltext (Kurz-Snippets) sind nicht bewertbar. Berufsbezogene Quoten können durch einzelne volumenstarke Absender (Personaldienstleister) verzerrt sein; berufsbezogene Aussagen in diesem Report beschränken sich daher auf Quoten nahe null, die durch Absenderkonzentration nicht erzeugt werden können.
  • Rechtsangaben ohne Gewähr; dieser Report ist keine Rechtsberatung. Quellen zum Rechtsstand: EUR-Lex (RL (EU) 2023/970), BMBFSFJ-Mitteilungen zur Umsetzungskommission, Fachveröffentlichungen von KPMG Law (Juni 2026) und IWW (Mai 2026).

Über myjobhub

myjobhub.de ist ein tech-gestützter Bewerbungsservice. Der Marktpuls wertet fortlaufend den deutschen Stellenmarkt aus — Anforderungen, Qualifikationen und Konditionen aus hunderttausenden Stellenanzeigen. Rohdaten-Auszüge und Grafiken zu diesem Report stellen wir Redaktionen auf Anfrage zur Verfügung.

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